Lebenswege nach der Schule – Porträt: Lea Sofia Nikiforow

Aus der Ricarda-Redaktion vom 15.01.2017
Bildquelle: privat

Steckbrief

  • Name: Lea Sofia Nikiforow
  • Alter: 21 Jahre
  • Abitur: 2015, Ricarda-Huch-Schule Gießen
  • Leistungskurse: Englisch (Frau Löw), Deutsch (Frau Krämer)
  • Lieblingsfach zu Schulzeiten: Englisch
  • Heimatsort: Langgöns – Niederkleen
  • Aktueller Wohnort: München
  • Studium: Verbundstudium im Bereich Marketing, Management und Kommunikation (Studium + Arbeit + IHK-Ausbildung)
  • Hobbies: Musik (Singen, Songwriting, Gitarre, Klavier), Sport (Laufen, Wandern, Schwimmen), Poetry Slam, Ehrenamt, Kunst
  • Ehrenamtliches Engagement: UNICEF, DRK, DKSB, „Wir machen – für ein Kinderlachen“, „Children for a better world“, Jugendpresse Deutschland, Studienstiftung des deutschen Volkes

Meine Geschichte

Mein Name ist Lea Sofia, ich bin ehemalige Schülerin der Ricarda-Huch-Schule und lebe nun im schönen München. In den folgenden Zeilen werde ich über meine erlebnisreiche Schulzeit und meinen aktuellen Lebensabschnitt berichten.

Mein Abitur habe ich im Jahr 2015 absolviert und ich blicke zurück auf eine unheimlich schöne Zeit an der Ricarda-Huch-Schule. Ich hatte stets ein tolles Verhältnis zu meinen Lehrerinnen und Lehrern und wurde seitens der Schule immer bei meinem ehrenamtlichen Engagement unterstützt. So durfte ich beispielsweise gemeinsam mit dem Schulleiter, Herrn Nissel, und Herrn Weinreich, einen jüdisch-deutschen Austauschabend gestalten und musikalisch untermalen. Des Weiteren war ich während meines Abiturs ein Teil des „Kultur-Schule“ Teams. Gemeinsam mit anderen Mitschülern haben wir kreative Projekte in die Tat umgesetzt und wurden dafür sogar vom Hessischen Kultusministerium ausgezeichnet. Auch mein Engagement mit Unicef hat sich gut mit der Schule vereinbaren lassen, da das Büro der Gießener Unicef Arbeitsgruppe in unmittelbarer Nähe zur Schule liegt. Außerdem habe ich im Jahr 2014 meine Ausbildung zur Unicef Assistenz in Köln absolviert und habe daraufhin in jüngeren Klassen Vorträge zum Thema Kinderrechte gehalten.

Während der Abiturphase bin ich für ein halbes Jahr nach Irland gereist, um dort als AuPair zu leben und zu arbeiten. Ich finde es unheimlich schön, andere Kulturen zu erkunden und Menschen aus der ganzen Welt kennen zu lernen. Die Zeit in Irland hat mich sehr geprägt. Natürlich konnte ich dadurch auch meine Sprachkenntnisse vertiefen.

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich besonders gerne an unsere Klassengemeinschaft zurück, denn dort habe ich wirklich Freunde fürs Leben gefunden. Ein besonderes Erlebnis war unsere Abschlussfahrt nach London. Gemeinsam mit Frau Löw, unserer Tutorin, und rund 20 weiteren Klassenkameraden, ging es mit dem Bus in die Hauptstadt Englands. Neben einer typischen Stadtrundfahrt waren wir auch im Museum of Contemporary Art und in Shakespeare’s Globe Theatre. Der Höhepunkt des Ausflugs war das Musical „König der Löwen“, welches in einem alten traditionellen Theater aufgeführt wurde.

Auch die Skifreizeit mit Herrn Lukas war ein voller Erfolg. Als Schüler gibt es wohl nichts Schöneres, als den ganzen Tag mit seinen Freunden in den Bergen zu sein und die Pisten unsicher zu machen. Natürlich wurden wir dabei immer von Lehrern begleitet. Neben dem ganzen Spaß haben wir auch etwas gelernt, wie zum Beispiel über das Thema Nachhaltigkeit.

An der Ricarda-Huch-Schule hat man wirklich gemerkt, dass es nicht allein ums Lernen geht, sondern um so viel mehr! Die Lehrer hatten stets ein offenes Ohr für ihre Schüler und wir durften den Unterricht aktiv mitgestalten.

Den Abiball habe ich mit einem lachendem- und einem weinenden Auge verlassen. Einerseits freut man sich natürlich, über das erfolgreich bestandene Abitur und ist gespannt auf die kommende Zeit. Andererseits ist man traurig, da man so viele Erinnerungen hinter sich lassen muss.

Während der letzten Abiturmonate hat mich Frau Löw für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen. So erhielt ich ein paar Monate nach dem Abitur Post und wurde zum Auswahlseminar eingeladen. Dieses habe ich im Frühjahr 2016 erfolgreich absolviert und bin seitdem Stipendiatin der Studienstiftung. Dadurch habe ich sofort Anschluss in München gefunden und profitiere sowohl vom ideellen-, als auch vom finanziellen Förderangebot. Zudem wurde ich kurz nach meiner Aufnahme als Sprecherin gewählt. Zu meinen Aufgaben zählen beispielsweise die Organisation von Veranstaltungen sowie der Versand der monatlichen Newsletter. Zudem engagiere ich mich im Botschafter-Programm, um anderen Studenten Wege zum Stipendium aufzuzeigen und den Bewerbungsprozess transparenter zu gestalten.

Hier in München absolviere ich ein duales Verbundstudium, das bedeutet, dass ich nicht nur die Uni besuche, sondern parallel auch im Unternehmen arbeite und eine IHK Ausbildung mache. Mein Studiengang heißt Marketing-Management und ich absolviere eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketing und Kommunikation. Ich arbeite in einem Softwareunternehmen und bin dort in der Marketing-Abteilung. Zu meinen Aufgabenbereichen gehören beispielsweise die Überarbeitung der Produktkommunikation sowie die Organisation von Kundenevents und Messeauftritten. Besonders aufregend ist, dass ich ständig auf Events im Ausland bin und dadurch meine Liebe zum Reisen ausleben kann. In den vergangenen Wochen war ich beispielsweise in London, Barcelona, Wien, Zürich, Düsseldorf und Berlin. Der größte Vorteil eines dualen Studiums ist die Kombination von Theorie und Praxis. Gelerntes kann direkt in die Tat umgesetzt werden und ich sammele gleichzeitig wertvolle Berufserfahrung. Außerdem bekomme ich ein festes Gehalt und kann mich selbst finanzieren.

Neben meinem Job und Studium, arbeite ich auch als Journalistin für die Jugendpresse Deutschland sowie für die Butzbacher Zeitung. In der Butzbacher Zeitung veröffentliche ich einmal wöchentlich eine Kinder- und Jugendseite. Darin berichte ich über Themen wie Politik, Wirtschaft und Neuigkeiten aus aller Welt. Gerade in Zeiten von Politikverdrossenheit ist es mir wichtig, die Nachrichten so aufzubereiten, dass auch jüngere Generationen dem Weltgeschehen folgen können. Des Weiteren möchte ich damit erreichen, dass wieder mehr Jugendliche die Zeitung lesen und lernen, Fakten zu hinterfragen. Die Jugendseite habe ich während meines Schülerpraktikums bei der Zeitung im Jahr 2011 initiiert. Ein Teil besteht aus einer Art Kolumne, worin ich über mein Leben in München berichte.

Mein ehrenamtliches Engagement ist mir unheimlich wichtig. Nachdem ich bereits in Gießen ein Unicef Junior-Team aufgebaut habe, geht es nun in München weiter. Das Münchener Junior-Team hat dieses Jahr ein wunderbares fest zum Weltkindertag veranstaltet und plant derzeit viele weitere tolle Aktionen.

Vergangenes Wochenende war ich als Unicef-Botschafterin bei einem Jugendkongress der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) in Bonn. Dort ging es um das Thema Jugendpartizipation und ich durfte an spannenden Workshops und Diskussionsrunden teilnehmen.

Durch das Ehrenamt lerne ich unheimlich interessante Menschen kennen und werde zu Veranstaltungen im Deutschen Institut für Menschenrechte, im Schloss Bellevue oder im Bayrischen Landtag eingeladen.

An ein bis zwei Nachmittagen in der Woche helfe ich zwei Brüdern aus Marokko beim Deutsch lernen. Es ist schön zu sehen, wie schnell die beiden Fortschritte machen.

Sollte ich mal eine freie Minute haben, mache ich sehr gerne Sport. Ich lebe in unmittelbarer Nähe zum Englischen Garten und dort gibt es sehr schöne Laufstrecken. Ein besonderes Privileg am Studienort München, sind natürlich die Berge und die vielen Seen. Während man im Sommer die Gipfel erklimmen kann, werden im Winter die Skier angeschnallt und es geht im Schuss ins Tal. Die Lebensqualität in der bayrischen Hauptstadt möchte ich nicht mehr missen. Obwohl München eine Millionenstadt ist, fühlt man sich trotzdem geborgen. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und wenn mir das ruhige Landleben fehlt, fahre ich einfach mit dem Zug ins Umland und erlebe Natur-pur.

Trotzdem freue ich mich natürlich immer auf Besuch aus der Heimat. Die Feiertage verbringe ich gerne im Rahmen meiner Familie in Langgöns.

In meiner Freizeit spiele ich sehr gerne Gitarre und Klavier, singe und schreibe eigene Songs. Im Jahr 2009 hatte ich einen Plattenvertrag bei Universal erhalten und bin daraufhin mit meiner Band durch Deutschland getourt. Heute mache ich Musik meist nur noch im Rahmen von Benefizveranstaltungen. Im Sommer kann man mich manchmal beim Musizieren auf dem Marienplatz antreffen. Auch Poetry Slam, eine moderne Form des Dichterwettstreits, zählt zu meinen Hobbies.

Mein Studium werde ich in drei Jahren mit meinem Bachelorabschluss beenden. Danach würde ich gerne einen Master absolvieren, vielleicht sogar im Ausland.

Später könnte ich mir gut vorstellen, im Bereich Marketing-Management oder in der Pressearbeit zu arbeiten.

Meine Zeit an der Ricarda-Huch-Schule Gießen werde ich immer in guter Erinnerung behalten. Es ist schön, dass ich den Kontakt zu einigen Lehrern und meinen Mitschülern immer noch aufrechterhalten konnte und ich hoffe, dass das noch lange so bleiben wird.

Mein Schlusswort an alle Schüler: Es ist ein unheimliches Privileg, dass wir die Schule besuchen dürfen und dass die Bildungswege in Deutschland kostenlos und für alle zugänglich sind. Das ist nicht selbstverständlich und war auch nicht immer so. In anderen Ländern würden Kinder alles dafür geben, um die Schule besuchen zu können und den Teufelskreis aus Armut und Hunger zu durchbrechen. Es wichtig, dass wir uns für diese Kinder einsetzen und versuchen, ihnen zu helfen.

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