Jean-Christophe Tixier zu Gast an der Ricarda Huch-Schule

Aus der Ricarda-Redaktion vom 10.02.2017
Text: Denise Lehtisaari
Bildquelle: Dinkela

Wie fühlt sich ein Flüchtling, dessen Boot im Mittelmeer gekentert ist und der sich mit anderen Überlebenden am Schiffsrumpf festklammert und auf Rettung hofft? Dies nachvollziehbar zu machen und den Flüchtlingszahlen ein individuelles Gesicht zu verschaffen, war ein Anliegen des Autors Jean-Christophe Tixier.

Am 9. Februar war er zu Gast in der Bibliothek der Ricarda Huch-Schule, um aus seinem Buch « La traversée » (die Überfahrt, 2015) vorzulesen und Fragen der SchülerInnen und LehrerInnen zu beantworten. Im Buch geht es um das Schicksal des afrikanischen Flüchtlings Sam (eigentlich Seyba), der versucht, in einem Boot mit anderen über das Mittelmeer zu fliehen. In Rückblenden erfährt man mehr über sein früheres Leben und über die Menschen, denen er auf seiner Flucht begegnet ist.

Das Buch ist eines von vier französischen Jugendbüchern, die im Wettbewerb um den Prix des Lycéens allemands stehen. Organisiert wurde die dreitägige Lesetournée vom Attaché für Sprache und Bildung in Rheinland-Pfalz und Hessen, Thibaut Triqueneaux, des Institut français (Mainz), der den Autor begleitete. Sechs Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz wurden von Herrn Triquenaux besucht: Traben-Trarbach, Boppard, Bad-Homburg, Frankfurt, Mainz und Gießen.

Zur Lesung in Gießen erschienen etwa 70 Zuhörer: die Leistungskurse Französisch der Ricarda Huch-Schule der Jahrgangsstufe 12 und 13 mit ihren Lehrerinnen Frau Lehtisaari und Frau Keller, ein Leistungskurs der Liebigschule mit Frau Roether und zwei Kurse der Martin-Luther-Schule aus Marburg mit Frau Schwalm und Frau Rein-Sparenberg.

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Nach der Begrüßung der Gäste auf Französisch durch den Schulleiter Werner Nissel, gefolgt von ein paar Grußworten von Frau Lehtisaari, die den Autor an die Ricarda Huch-Schule eingeladen hatte, ging es sofort mit der Fragerunde los. Die SchülerInnen zeigten sich so wissbegierig, dass Jean-Christophe Tixier eine Stunde u.a. darüber erzählte, warum er den Roman geschrieben, warum er Flashbacks eingebaut oder warum der Roman ein offenes Ende habe. Die SchülerInnen wollten auch wissen, welche Lösungen für die Flüchtlingskrise der Autor sehe. Der Autor betonte, man müsse die Ursachen bekämpfen und nicht die Symptome und man könne als einzelner Mensch im Alltag auch schon viel Gutes bewirken, indem man die Flüchtlinge nicht als Problem sehe, sondern als Individuen, die viel durchgemacht haben. Man solle sie wie andere begrüßen und anlächeln und bereit sein, zu helfen. Es gäbe keine schnellen Lösungen, weil das Problem sehr komplex sei und sich in Zukunft durch Kriege und die Folgen der Klimaerwärmung noch verschlimmern würde.

Herr Tixier berichtete auch, dass er vier Mal im „Dschungel“ von Calais gewesen sei, um sich mit Flüchtlingen zu unterhalten. Dies sei jedoch erst geschehen, nachdem er sein Buch beendet habe. Die Arbeit am Buch habe vier Jahre gedauert und er habe sich durch Zeitungsberichte und Reportagen darauf vorbereitet.

Ein magischer Moment in seinem Leben sei gewesen, als bei einer Buchmesse ein afrikanischer Security-Mann gesagt habe: „Ce livre raconte ma vie.“ (Dieses Buch erzählt mein Leben.)

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Jean-Christophe Tixier schreibt gerade an einem neuen Buch, im Oktober soll ein weiteres Buch erscheinen, dessen Titel noch nicht fest stehe. Es gibt auch Pläne dafür, „La traversée“ als Comic neu herauszugeben.

Zum Schluss der Veranstaltung las Herr Tixier noch den Beginn seines Buches und signierte die Bücher, die von den SchülerInnen mitgebracht worden waren.

Alles in Allem eine gelungene Veranstaltung, die sich einreiht in die Liste vergangener Begegnungen mit französischen Autoren, wie Cathy Ytak, Thomas Scotto und Bernard Friot.

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