Aus dem Gießener Anzeiger vom 17.04.2018
von Paul George
GIESSEN – Die digitale Kommunikation bietet viele Chancen – birgt allerdings auch Risiken. „Cyber-Mobbing“ ist mitunter weit verbreitet, gerade auch unter Jugendlichen und Schülern. Hier soll das hessische Projekt „Digitale Helden“ durch speziell sensibilisierte Mentoren Hilfestellung geben. In der Ricarda-Huch-Schule fand dazu nun ein erstes regionales „Barcamp“ statt.
Der Verein „Digitale Helden“ wurde 2013 von Florian Borns, der heute Geschäftsführer ist, gegründet. Die Vision: „eine verbesserte digitale Kommunikation zwischen Schülern“. Zusammen mit dem Regionalkoordinator Mittelhessen, Tom Gudella, und den jeweiligen AG-Lehrern nahmen 40 Schüler der „Ricarda“, der Anne-Frank-Schule-Linden, der Gesamtschule Gleiberger-Land, des Johanneum-Gymnasiums Herborn und der Gesamtschule Schwingenbach am „Barcamp“ teil. Dabei handelt es sich um eine kooperative Lernform ohne strenge Hierarchien. Die jungen Leute stellen Probleme mit den sozialen Medien dar und diskutieren mögliche Lösungen. Zum Beispiel den Fall eines Geschichtslehrers, der seine Schüler niedermacht und als Reaktion darauf von ihnen gefilmt wird. Ist solch ein Vorgehen legitim? Teamer der „Digitalen Helden“ haben die Schüler zu Mentoren ausgebildet. Alle mussten zu diesem Zweck einen Onlinekurs besuchen. Zwischenzeitlich unterstützen sie hauptsächlich Fünft- und Sechstklässler und klären zum Beispiel über den Gebrauch von WhatsApp auf. Auch wird versucht, die Eltern einzubinden.
Sara, Zita und Silas sind ebenfalls neue Mentoren. Ihnen gefällt besonders, dass sie für ihre Hilfe auch Anerkennung und Dank von den Jüngeren bekommen. Beschäftigt haben sich die Mädchen unter anderem mit dem Klassenchat, in dem viele Schüler eine sehr derbe Sprache benutzen würden. Die Anrede „Bitch“ oder „Hurensohn“ seien für manche Teilnehmer völlig normal. Die Mentoren wollen daher das Bewusstsein schärfen, dass sich andere dadurch erheblich verletzt fühlen können. Auch für Simon Bothar, Lehrer und AG-Leiter an der „Ricarda“, ist die Sensibilisierung sehr wichtig. Denn seine Schüler gingen zum Teil völlig unbedacht mit ihren persönlichen Daten um. So habe ein Drittel der von ihm angesprochenen Sechstklässler in einer kleinen Befragung bereitwillig ihr persönliches Passwort preisgegeben. Seit die von ihm betreuten Mentoren aus der achten und neunten Klasse Aufklärungsarbeit leisteten, habe sich dieses Verhalten spürbar verbessert.

Bei Fragen und Problemen schreiben Sie mir eine Mail. Mein Name ist Olaf Dinkela, ich koordiniere die Öffentlichkeitsarbeit der RICARDA.
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