Aus dem Gießener Anzeiger vom 01.06.2018
Von Ulla Hahn-Grimm
Fotos Hahn/Grimm
GIESSEN – „Sinti und Roma“: So lautete das Thema eines Schulwettbewerbs der Stadt Gießen anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation der Sinti und Jenischen von Gießen ins KZ Auschwitz-Birkenau. Die beiden Siegergruppen, die Ricarda-Huch-Schule und die Theodor-Litt-Schule (TLS), stellten ihre Produktion jetzt noch einmal auf der „Kleinen Bühne“ vor. Das Interesse war groß, der Zuschauerraum gefüllt bis auf den letzten Platz.
Dass so viele Menschen trotz der hochsommerlichen Temperaturen gekommen waren, freute Aldona Watolla, die neben ihrer Theaterarbeit bei der Kleinen Bühne auch die Schüler der TLS in „Darstellendem Spiel“ unterrichtet.

Gemeinsam erarbeitet hatte die TLS-Theatergruppe, auch mit Unterstützung ihrer Deutschlehrerin Daria Günther, eine Collage zum Thema Ausgrenzung und Gewalt. Titel des Stücks: „Wer bist du? Ein Mensch. Was willst du? Leben.“ Ganz einfach nur leben, schon das war für Sinti und Roma, wie auch für die Juden und andere unerwünschte Volksgruppen, zur Zeit der Nationalsozialisten nicht möglich. Anhand von Brief- und Liedtexten der Roma und Sinti stellten die Schüler eine Bühnenschau mit Bildern, Filmen und Musik vor, die keinen im Zuschauerraum unberührt ließ. Das ambitionierte Auftreten der jungen Schauspieler wurde mit begeistertem Applaus belohnt.
Nicht weniger mitreißend das folgende Stück des Kurses „Darstellendes Spiel“ der 12. Jahrgangsstufe an der Ricarda-Huch-Schule: „Der Zigeuner gewinnt nicht! Boxer verliert erst seinen Titel, dann sein Leben“. Regie führten Michael Meyer, Lehrer für Darstellendes Spiel an der Ricarda-Huch-Schule sowie Marc Geisler vom Bund Deutscher Pfadfinder.
Das Stück beruht auf einer wahren Begebenheit. Es geht um den Boxer Johann Trollmann, genannt Rukeli, der 1933 den Meistertitel im Halbschwergewicht gewinnt. Der Titel wird ihm aberkannt wegen „undeutschen“ Boxens, denn Trollmann gehört der Gruppe der Sintis an. Später verliert er seine Lizenz, 1943 wird er ins Konzentrationslager verschleppt und dort totgeschlagen.
Am Anfang ist das Leben der Familie Trollmann von Lebensfreude, Musik und Tanz geprägt. Das ändert sich schnell, als die Nazis an die Macht kommen. Rukeli lässt sich nicht beirren, die Frauen umjubeln ihn, er geht optimistisch in den Boxkampf gegen den blonden germanischen Gegner, der aber schon bald zu Boden geht. Klasse gemacht von den Schülern, lange trainiert und spannend präsentiert. Nach so viel Leben geht das grausame Ende noch viel mehr unter die Haut.
Das Publikum klatschte begeistert. Für die Schüler der Ricarda Huch-Schule, die bei dem Wettbewerb den ersten Preis gewonnen hatten, ist die „Theater-Tournee“ noch nicht vorbei: Am 10. Juni spielen sie bei einem Projekt des Landkreises Gießen im Kino Traumstern in Lich und am Ende des Schuljahres geht es zu den hessischen Schultheatertagen in die Landesmusikakademie Schlitz.

Bei Fragen und Problemen schreiben Sie mir eine Mail. Mein Name ist Olaf Dinkela, ich koordiniere die Öffentlichkeitsarbeit der RICARDA.
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