Neuntklässler der Ricarda-Huch-Schule in Gießen belegen den zweiten Platz beim »Stadtradeln«-Wettbewerb. Vom geplanten Verkehrsversuch sind sie allerdings noch nicht voll überzeugt.
Aus dem Gießener Anzeiger vom 06.07.2023
Gießen . Mal nicht mit dem Auto gebracht werden. Wo es geht, vor allen Dingen auf kurzen Strecken, lieber auf das Fahrrad umsteigen: Das ist gar nicht so schwer, beweist die Klasse 9eH der Ricarda-Huch-Schule. Ihr gelang es, den zweiten Platz beim »Stadtradeln«-Wettbewerb des Klima-Bündnisses zu ergattern. »Schön, dass ihr euch so ins Zeug gelegt habt«, begrüßte Bürgermeister und Schirmherr Alexander Wright die Jugendlichen in der Bibliothek.
2650 Kilometer zurückgelegt
An 21 zusammenhängenden Tagen konnten sie möglichst viele Fahrradkilometer für ihr Team sammeln. 2650 zurückgelegte Kilometer kamen dabei schließlich zusammen, 390 Kilogramm Kohlendioxid konnten eingespart werden. Eine beachtliche Leistung, für die es die Auszeichnung in Silber gab. »Wir machen das nicht nur aus sportlichen Anreiz, sondern es geht ja auch darum, mit dem Fahrrad mal unterwegs zu sein, mal eine andere Perspektive einzunehmen, mal zu gucken, wie klappt das im Alltag«, so Wright. Entgegen nahm die Urkunde, stellvertretend für die ganze Klasse, Burak Bayhan. Er war es, der die 9eH zum Wettbewerb angemeldet hatte. Das Team trug daher den Namen »Bayhan«.
Er selbst benutze das Fahrrad »für die Stadt, fürs Einkaufen und auch für sportliche Zwecke«. Besonders freute sich auch »Stadtradeln«-Koordinatorin Katja Bürckstümmer: »Das erste Mal hat die Ricarda-Huch-Schule diesen Preis eingeradelt!« Mit der Resonanz, auf die der Wettbewerb bei den Schülern und Schülerinnen gestoßen ist, ist Bürckstümmer »auf jeden Fall zufrieden.« Das kann auch Wright sein, für den das »Stadtradeln« vor allen Dingen einen Zweck hat: »Wir wollen mehr Leute aufs Rad bringen und hoffen auf Rückmeldungen, um die Radinfrastruktur zu verbessern.« Und die bekommt der Bürgermeister auch. »Jetzt fahre ich mehr. Davor bin ich eigentlich gar nicht gefahren, aber jetzt habe ich mehr Motivation bekommen, das Fahrrad zu nutzen«, sagt etwa Teilnehmerin Lara Dakmaz.
Viele aus der Klasse teilen die Einstellung. Gegenüber dem geplanten Gießener Verkehrsversuch, der Umwandlung von zwei Fahrbahnen auf dem Anlagenring in Fahrradwege, zeigen sich die Schüler allerdings noch nicht ganz überzeugt. Zum Beispiel Dorian Freimuth: Autofahrten dauerten dann »länger, man muss länger an der Ampel warten und es wird viel mehr CO2 ausgestoßen. Das ist natürlich dann eher schlecht für die Umwelt.« Wright, einer der Initiatoren des Verkehrsversuchs, weiß zu beschwichtigen: »Wenn mehr Leute mit dem Rad unterwegs sind, machen die auch Platz.« Langfristiges Ziel sei es, durch Verbesserung der Infrastruktur und eine radfreundlichere Umgebung mehr Menschen dazu zu bewegen, das Auto stehen zu lassen. Das »Stadtradeln« sei dabei eine sinnvolle Kampagne.« Es bringt Leute aufs Rad, führt dazu, dass sie eine andere Brille für ihre Umwelt aufziehen und uns mitteilen, wo Defizite sind.« Überzeugt von der Aktion ist auch der Sport- und Biologielehrer Björn Behrendt. Er ist »Bike School«-Koordinator, betreibt seit 20 Jahren die Fahrradwerkstatt und kümmert sich um die 45 vom Staat finanzierten Fahrräder der Schule.
»Unsere Bemühungen haben mit der Klasse echt Früchte getragen«, lobt er die 9eH. Die Schüler »haben eine riesige Freude daran, unsere hochwertigen Räder zu fahren.« Die Ricarda-Huch-Schule ist die erste Schule Hessens, die Mountainbiken verpflichtend in den regulären Sportunterricht übernommen hat. Dafür wurden 19 Lehrkräfte mit mehrtägigen Schulungen extra ausgebildet. »Die Schüler entwickeln Freude am Fahrradfahren, gewinnen Verkehrssicherheit und beherrschen das Fahrrad als Sport- und Nahverkehrsmittel«, konstatiert Behrendt. Neben einer Urkunde gab es auch noch 125 Euro für die Klassenkasse. »Die nehmen wir für die Abschlussfeier«, ruft es während der Verleihung aus der Gruppe. Denn nicht nur das »Stadtradeln« hat die 9eH erfolgreich absolviert, auch ihren Schulabschluss haben alle bereits in der Tasche.
Klassenlehrer Kai Frenz ist stolz und freut sich über beides: »Das war eine tolle Sache für meine Schüler«, sie hätten »ständig versucht, sich zu steigern«. Zur Belohnung für die Mühen hat er ihnen ein gemeinsames Pizzaessen versprochen. Das müsse er nun natürlich einlösen, sagt er augenzwinkernd.

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