„Einst Sinnbild pulsierenden Lebens“ – Schulbrunnen der Ricarda

Die Info-Tafel zum Schulbrunnen der »Ricarda« auf dem Neuen Friedhof in Gießen wurde erneuert und textlich ergänzt, nachdem die alte Bronzetafel gestohlen wurde.

Aus dem Gießener Anzeiger vom 24.06.2023 | Bild: Klein
Bildunterschrift: Heute steht der Hofbrunnen der Ricarda-Huch-Schule in einem stillen Winkel des Neuen Friedhofs. 

Gießen (dkl). Der ehemalige Hofbrunnen der Ricarda-Huch-Schule befindet sich seit Jahrzehnten auf dem (neuen) Friedhof am Rodtberg. Im Jahr 2003 war er restauriert und instandgesetzt worden, durch eine Spende von Gertrud Emmelius. Dazu ließ sie eine Bronzetafel fertigen, die neben dem Brunnen auf einem Pultstein angebracht wurde. Darauf zu lesen waren die Erinnerungen an den Schulbrunnen, verfasst von ihrer Schwester Erna Emmelius für eine der Schriften des Ehemaligenvereins.

Diese Bronzetafel wurde jedoch vor einigen Wochen gestohlen, wie andere Metallobjekte auf dem Friedhof ebenfalls. Auf Initiative der Friedhofsführerin Dagmar Klein ließ die Friedhofsverwaltung eine neue Informationstafel fertigen, im Stil der »Gießen historisch«-Objekttafeln. Der nun ergänzte Text wurde vom Grafiker Harald Schätzlein gestaltet, der auch die anderen Info-Tafeln layoutet hat. Fertigung und Montage übernahm in bewährter Weise die Firma Munzert Werbetechnik.

Ergänzungen zu Geschwistern Emmelius 

Der Originaltext von Erna Emmelius (1965) lautet: »Bei Eröffnung der Schule stand er da, der vierarmige Trinkbrunnen. Er stand in der Mitte des Schulhofes, und von Anfang an war er der Mittelpunkt des Pausenlebens. Scharen von Mädchen tranken sein klares Wasser oder ließen es über die Hände rieseln. Später, als er keine Erfrischungen mehr spendete, saßen sie auf seinem breiten Rand, aßen ihr Frühstück, wiederholten schnell noch ein paar Vokabeln oder erklärten sich ein schwieriges mathematisches Problem. Viele Schülergenerationen wurden, zur Pyramide aufgebaut, mit ihm fotografiert. Mit ihm, dem Sinnbild jungen, pulsierenden Lebens. Zum Sinnbild unserer Schule gestalteten ihn junge künstlerisch schaffende Hände; er schmückte eine Kunstmappe zum ersten Abitur und das Titelblatt vieler Jahresberichte. Heute steht unser Schulbrunnen auf dem Neuen Friedhof in einem stillen Winkel. Das Becken ist leer, das Metall verrostet. Doch wer zu horchen vermag, dem wird Vergangenheit lebendig.«

Ergänzt wurde er um Informationen zu den Schwestern Erna und Gertrud Emmelius, die aus einer Gießener Zigarrenfabrikantenfamilie stammten. Erna (1911-1999) war Lehrerin am 1907 eröffneten Mädchengymnasium, der heutigen Ricarda-Huch-Schule, daher ihre Verbundenheit zu dem Brunnen. Gertrud (1915-2008) war Verwaltungsangestellte bei der Stadt Gießen. Das Familiengrab Emmelius befindet sich ebenfalls auf dem Friedhof am Rodtberg, an der Südmauer in Abteilung 1.

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