Die Jahrgangsstufe 13 der RHS besucht die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt

Wie fühlte sich das Leben in der DDR an? Wie musste man sich die Haftbedingungen in einem Stasi-Gefängnis vorstellen? Für welche „Verbrechen“ wurde man inhaftiert? Und wieso machten Leute im DDR-Spitzelsystem mit?

Antworten auf diese Fragen bekamen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 in Erfurt bei einer Führung durch das ehemalige Gefängnis.

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Eindrücke – lang gefasst …


„Eine junge Frau möchte Künstlerin werden, sie ist gut in der Schule und sehr talentiert. So schafft sie es an die Kunsthochschule und ist glücklich, sich verwirklichen zu können. Doch dann das Unfassbare, sie wird plötzlich aus rausgeworfen. Der Grund: nichtsozialisitische Kunst! Sie wird suspendiert und bekommt zwei Jahre Zeit sich durch normale Arbeit zu rehabilitieren, oder muss ihren Traum des Kunststudiums aufgeben. Die eigetliche Frage ist aber für sie: Was will ich? Kunst ist individuell, emotional, leidenschaftlich – eben ihr Weg sich anderen zu öffnen. Oder geht sie an die Universität, gestaltet Vorlagen und Ideale der Partei im Sinne des Sozialismus? Es ist schwierig – die Entscheidung wird ihr Leben für immer beeinflussen. Sie wird beobachtet, verfolgt und wenn sie sich nicht anpasst, droht ihr Gefängnis.“ Eben solch ein Gefängnis, in dem Menschen und nicht Verbrecher eingesperrt wurden, besuchten die SchülerInnen des Jahrgangs 13 der Ricarda-Huch-Schule am 29.01.2025 in der Andreasstraße in Erfurt. Die Auseinandersetzung mit der zweiten Diktatur im 20. Jh. auf deutschem Boden in der ehemaligen DDR, war das Thema. Die Stiftung Ettersberg zur Diktaturforschung in Europa hat diesen Gedenkort zu einem Anschauungsort für die sozialistische Diktatur in der DDR gemacht. Von der Überwachung und Bespitzelung zur Verfolgung und Drangsalierung der Menschen in der DDR, die eigentlich nicht mehr wollten als Leben – in Freiheit und selbstbestimmt – bis hin zu Inhaftierung, Erpressung und Entmenschlichung im Gefängnis. Viele ehemalige Inhaftierte leiden noch heute unter den Auswirkungen der psychischen Folter, die in diesen Gefängnissen praktiziert wurde. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, diese zu sehen wird einem deutlich, dass der Staat der DDR diese Menschen so verachtete, dass er sie sogar „verkaufte“. Während des Besuchs im Zellentrakt spiegelten sich in den Gesichtern der SchülerInnen die Gefühle der Beklemmung und Verzweiflung wider. Auszüge aus Zeitzeugenaussagen, die Einblicke in ein perfides System der Entwürdigung und Entmenschlichung geben, tragen ebenso dazu bei wie der kurze Moment in der Arrestzelle, die einer absoluten Isolation des Häftlings diente. Wie gut war es da, dass man am Ende des Programms den Aufbruch der Menschen in Erfurt, stellvertretend für alle Menschen in der ehemaligen DDR, in die Freiheit nachvolziehen konnte. Ein digitaler Stadtrundgung löste nicht nur die Beklemmungen aus dem Zellentrakt, sondern eröffnete auch den Blick auf ein lebendiges, offenes Erfurt, durch das die SchülerIInnen nun liefen. Dies hatten sich die Menschen in Erfurt während der friedlichen Revolution erkämpft und das Gedenken an die Gräul des SED-Staates bewahrt. Indem eine Hand voll Frauen am 04. Dezember 1989 das Gefängnis übernahm und die Staasiakten in Zellen einschlossen, um sie für die Nachwelt und die Aufarbeitung der Vergangenheit zu bewahren. Und das war eine sehr eindrückliche und positive Erfahrung – wie die Schülerinnen im Nachhinein fast durchweg rückmeldeten. Organisiert hatte die Fahrt der Kollege C. Schmidt der Ricarda-Huch-Schule und finanziell unterstützt wurde die Fahrt von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die auch die Verbindung zu der im Aufbau befindlichen Gedenkstätte Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen herstellte. Dieser neue Erinnerungsort in Gießen entsteht in der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (im Meisenbornweg) und soll im Juni 2025 eröffnet werden. Das Notaufnahmelager Gießen war der zentrale Anlaufort für Flüchtlinge und frei gekaufte Häftlinge aus der DDR, die hier eine erste Bleibe fanden. Frau Roether, Lehrkraft und Mitarbeiterin der Gedenkstätte, begleitete den Jahrgang 13 bei der Fahrt und gab den Schülerinnen und Schülern einen ersten Einblick in die Verbindung zwischen Stasi-Gefängnis Erfurt und Gießen. Verfasser: A. Koetter, D. Lethisaari., C. Schmitd

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