Aus der Gießener Allgemeinen vom 27.11.2025
Bild: Oliver Schepp | Text: Sarah Volk
260 orange Schuhe am Berliner Platz gedachten am Aktionstag gegen Gewalt an Frauen der Femizid-Opfer. Trotz Istanbul-Konvention steigt häusliche Gewalt weiter.
Gießen – 260 Paar Schuhe, mit oranger Farbe besprüht, standen gestern Nachmittag am Berliner Platz. Sie standen für die 260 Frauen, die in diesem Jahr bereits Opfer eines versuchten oder vollendeten Femizids wurden. „Wie die Jahre zuvor stehen wir hier, gedenken der Opfer und klagen an“, sagte eine Frau der Omas gegen Rechts. „Trotz der Istanbul-Konvention haben wir einen neuen Höchststand an Gewalttaten erreicht.“ Anlass dieser Worte war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der jährlich am 25. November begangen wird.
Häusliche Gewalt weiter angestiegen
Alle vier Minuten erlebt eine Frau Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Die Gesamtzahl weiblicher Opfer von häuslicher Gewalt ist in Deutschland von 2023 auf 2024 von 180 715 um 3,5 Prozent auf 187 128 gestiegen. „Ein Leben ohne Angst könntet ihr uns so einfach geben“, sagte Poetry-Slammerin Liv Behrens in ihrem Text „Femizid“. Sie beschrieb die Vorsichtsmaßnahmen, die Frauen zum eigenen Schutz treffen und die in vielen Fällen doch nicht ausreichen, um ihr Leben zu retten. Vergangenes Jahr haben 132 Männer in Deutschland ihre Partnerin oder Expartnerin getötet. In 308 Fällen wurde es versucht. Diese Zahlen veröffentlichte das Bundeskriminalamt (BKA) vor wenigen Tagen.
Schon am Vormittag begann der Zonta Club Burg Staufenberg-Gießen den Aktionstag an der Ricarda-Huch-Schule. Dort verteilten sie mithilfe zweier Leistungskurse Politik und Wirtschaft 150 Schutzarmbänder gegen K.-o.-Tropfen. Mit den Armbändern kann überprüft werden, ob ein Getränk eine solche Substanz enthält, indem wenige Tropfen auf eine Testfläche gegeben werden. Erst vor wenigen Tagen forderte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, die Drogen rechtlich als Waffe oder gefährliches Werkzeug einstufen zu lassen, um die Taten im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen härter bestrafen zu können.
„Wir möchten einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten“
„Wir möchten einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten“, sagte die Präsidentin des Clubs, Dr. Susi Rentschler-Bellinger. Auch bei der Kundgebung am Nachmittag wurde betont, wie wichtig es sei, die Gewalt zu verhindern, bevor sie entsteht. „Wir zeigen Solidarität mit den Opfern“, sagte eine der Omas gegen rechts. „Und wir zeigen Wut und Empörung.“ Es sei das Ziel, Mädchen zur Selbstbehauptung zu erziehen und gleichzeitig Jungen zur Gewaltfreiheit.
Schutzarmbänder für Schüler
Die Bestandsaufnahme zur Umsetzung der Istanbul-Konvention und weitere Maßnahmen in Gießen waren auch Thema in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Dort wurde über einen Antrag abgestimmt, der Handlungsempfehlungen und mögliche Schritte zur Umsetzung der Konvention auf kommunaler Ebene zusammenfasst. Dazu gehören als priorisierte Maßnahmen für die Zukunft unter anderem kostenlose Frauenhausplätze, die Einrichtung einer Anlaufstelle für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt und verpflichtende Fortbildungen für medizinisches und juristisches Personal. Der Antrag wurde angenommen.

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